Carat / Ratgeber

Wie man Platin von Weißgold unterscheidet: Punzen und Gewicht

Aktualisiert 2026-09-19 · 6 Min. Lesezeit

Die kurze Antwort

Platin trägt die Punze 950 oder PT950, wiegt rund 60 % mehr als 14-Karat-Weißgold und bildet eine feine Patina, ohne die Farbe zu verändern. Weißgold ist mit 750 (18K) oder 585 (14K) punziert, rhodiniert und zeigt an Reibungspunkten einen warmen gelblichen Ton. Platin hat im Schrottwert heute oft geringere Erlöse, ist im Handel aber teurer.

Die Punzierung entscheidet: 950 gegenüber 750 und 585

Die schnellste Unterscheidung findet sich auf der Innenseite der Ringschiene oder an der Schließe. Platin wird fast durchgehend mit 95 Prozent Reinheit legiert und ist mit 950, PT950, PLAT oder in Großbritannien mit einem Reichsapfelsymbol gepunzt. Feinere oder leichtere Platinlegierungen (850 und 900) existieren, 950 ist jedoch der internationale Standard für Echtschmuck.

Weißgold hingegen ist mit Nickel, Palladium oder Silber legiertes Feingold, und seine Stempel sind Goldpunzen: 750 (18 Karat), 585 (14 Karat) oder 375 (9 Karat). Gold darf gesetzlich niemals mit 950 gestempelt werden. Steht dort 750, 18K, 585 oder 14K, handelt es sich um Weißgold, ganz gleich wie silbern der Glanz wirkt. Unser Leitfaden zu Goldpunzen erklärt jede Feingehaltszahl im Detail.

Gewicht in der Hand: Platin ist 60 Prozent dichter

Nimmt man zwei identische Ringe in die Hand – einen aus Platin und einen aus 14-Karat-Weißgold –, ist der Unterschied sofort spürbar. Platin besitzt ein spezifisches Gewicht von rund 21,45 Gramm pro Kubikzentimeter. Zum Vergleich: 18-Karat-Weißgold liegt bei etwa 15,8 und 14-Karat-Weißgold bei ca. 14,7.

In der Hand fühlt sich ein Platinstück für seine Größe überraschend schwer an. Diese Schwere ist eines der verlässlichsten haptischen Merkmale: Ein erfahrener Goldschmied wird bei einem schweren, ungestempelten Bandring sofort an Platin denken, noch bevor er Prüfsäure anwendet.

Abnutzung und Farbe: Vergilbung gegenüber Patina

Reines Gold ist gelb. Um Weißgold herzustellen, wird Gelbgold mit hellen Metallen legiert, wodurch ein schwach warmer, grau-gelblicher Farbton entsteht. Um ihm ein hochglänzendes Chromweiß zu verleihen, wird es galvanisch mit einer hauchdünnen Schicht Rhodium überzogen, einem Edelmetall der Platingruppe.

Nach zwei bis drei Jahren täglichen Tragens reibt sich die Rhodinierung an beanspruchten Stellen ab: an der Unterseite der Ringschiene, an Krappen und Außenkanten. Ein warmer Gelbton kommt zum Vorschein. Platin dagegen ist von Natur aus durch und durch weiß. Es wird nicht beschichtet, und selbst nach vierzig Jahren Tragen wird niemals eine gelbliche Schicht sichtbar.

Kratzer: Metallverschiebung gegenüber Metallverlust

Alle Edelmetalle zerkratzen im Alltag, aber die Art und Weise unterscheidet sich grundlegend.

  • Weißgold verliert Material. Reibt Gold an einer harten Fläche, werden mikroskopische Metallspäne abgeschabt und gehen verloren. Über Jahrzehnte hinweg werden Ringschienen dünner und Fassungen schleifen sich ab.
  • Platin verlagert Material. Platin ist extrem zäh und duktil. Bei einem Kratzer wird das Metall lediglich zur Seite gedrückt, wodurch mikroskopische Kämme entstehen, die dem Schmuckstück einen samtig-matten Glanz verleihen – die berühmte Patina. Es geht kein Metall verloren, und ein Goldschmied kann es ohne Substanzverlust wieder auf Hochglanz polieren.

Schmelzwert und Neupreis: Das Wertparadoxon

Historisch notierte Platin beim Doppelten des Goldpreises pro Unze, was seinen Ruf als höchstes Luxusgut begründete. Im modernen Markt hat sich dieses Verhältnis umgekehrt: Der Spotpreis für Feingold liegt deutlich über dem von Platin.

Daraus entsteht ein Bewertungsparadoxon:

  • Schrott- und Schmelzwert: Da der Goldpreis heute deutlich über dem Platinpreis steht, erzielt ein Weißgoldring beim Einschmelzen oft einen höheren Barwert als ein gleich großer Platinring.
  • Wiederbeschaffungswert im Handel: Neues Platinschmuckwerk ist beim Juwelier dennoch spürbar teurer. Platin erfordert viel höhere Schmelztemperaturen (1.768°C gegenüber 1.064°C), diamantbestückte Werkzeuge und meisterhaftes handwerkliches Können beim Gießen und Fassen.

Mehr zur Funktionsweise dieser Märkte finden Sie in unserem Beitrag Was Schmuck wirklich wert ist.

Was der Goldschmied zur Prüfung heranzieht

Sind Punzen verrieben oder fehlen sie gänzlich, klären drei Werkstattprüfungen die Frage:

  1. Dichtebestimmung (hydrostatische Waage): Das Wiegen an der Luft und im Wasser ermittelt das spezifische Gewicht berührungslos und zerstörungsfrei.
  2. Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA): Ein Spektrometer analysiert die Metalloberfläche und liefert innerhalb einer Minute exakte Prozentwerte für Platin, Ruthenium, Gold und Nickel.
  3. Säuretest auf dem Prüfstein: Platin widersteht reiner Salpetersäure vollständig; Weißgoldlegierungen reagieren auf standardisierte Prüfsäuren sofort.

Carat wertet Makroaufnahmen der Ringschiene, Fassung, Farbtemperatur und Abriebspuren aus, um Platin von Weißgold zu unterscheiden, und legt jeden Schritt der Beweisführung offen. So funktioniert es beschreibt das genaue Prüfverfahren.

Häufige Fragen

Kann Weißgold mit der Zeit gelblich werden?

Ja. Natürliches Weißgold hat unter der Rhodinierung einen leicht warmen Gelbton. Wenn sich die Rhodiumschicht durch Reibung abträgt, schimmert das Grundmetall durch. Ein Goldschmied kann den Ring problemlos reinigen und neu rhodinieren.

Ist Platin wertvoller als Weißgold?

Im Einzelhandel ist Platin aufgrund der Verarbeitungskosten und höheren Dichte teurer. Beim Metallankauf erzielt 18-Karat-Weißgold jedoch oft einen höheren Erlös, da der Gold-Spotpreis pro Unze heute deutlich über dem Platinpreis liegt.

Zerkratzt Platin schneller als Weißgold?

Platin hat eine weichere Oberfläche als 14-Karat-Weißgold, weshalb feine Haarlinien schneller sichtbar werden. Allerdings wird das Metall bei Platin nur verschoben (Patina), während bei Gold winzige Partikel abgetragen werden.

Kann Carat Platin und Weißgold auf Fotos unterscheiden?

Carat erkennt Punzen (950 vs. 750), analysiert Farbtemperaturen und Gelbverfärbungen an Reibungspunkten und beurteilt die Wandstärke der Fassung. Visuelle Ergebnisse werden als Schätzungen ausgewiesen und bei Bedarf wird ein RFA-Test empfohlen.

Coming soon on theApp Store